Verpflichtende Maßnahmen für Rettungsanker-Organisationen
Rettungsanker-Organisationen sind verpflichtet, einzelne Maßnahmen aus den 3 Säulen umzusetzen, zum Beispiel:
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Schulung des Sicherheits- und Barpersonals oder von Awareness-Beauftragten sowie deren Kennzeichnung mit Rettungsanker-Stickern
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Aushang von Rettungsanker-Postern an gut sichtbaren Stellen
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Auflage von Informationsflyern auf FLINTA*-Toiletten
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Keine Werbung mit sexistischen, rassistischen, queer-feindlichen oder transphoben Sujets
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Überprüfung der Räume auf ihre Sicherheit, zum Beispiel hinsichtlich des Lichtkonzepts
Weitere Informationen finden Sie unter "Mitglied werden".
Hintergrund und Geschichte
Sexuelle Belästigung und Gewalt sind für viele Frauen alltäglich, sowohl im öffentlichen Raum als auch am Arbeitsplatz oder im Nachtleben. Sexuelle Belästigung tritt in vielen Formen auf - von anzüglichen Bemerkungen bis hin zu körperlichen Übergriffen. Solche Vorfälle hinterlassen bei den Betroffenen oft tiefe Spuren und führen zu einem Rückgang des subjektiven Sicherheitsgefühls.
Die Kampagne "Ich bin dein Rettungsanker" setzt seit 2018 genau hier an und engagiert sich gemeinsam mit Wiener Clubs, Bädern, Verkehrsbetrieben und anderen öffentlichen Einrichtungen dafür, sichere Räume für Frauen zu schaffen. Gezielte Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen sollen sicherstellen, dass Frauen in Wien sich so frei und sicher wie möglich im öffentlichen Raum bewegen können - zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Donauinselfest
Der 1. große Einsatz fand beim Wiener Donauinselfest 2018 statt, wo die Botschaft der Kampagne eindrücklich durch einen Kurzfilm und Aufkleber an die Öffentlichkeit gebracht wurde. Securities, die speziell im Umgang mit sexueller Belästigung geschult waren, trugen Aufkleber mit der klaren Botschaft: "Sexuelle Belästigung hat hier keinen Platz." Frauen und Mädchen wurde signalisiert, dass sie sich jederzeit an das geschulte Sicherheitspersonal wenden können.
Wiener Bäder
Parallel dazu lief die Kampagne in den Sommermonaten auch in den Wiener Bädern. Mit Aufklebern und Plakaten wurden Besucher*innen auf die Unterstützungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht. Mitarbeitende der Wiener Bäder nahmen an Workshops teil, um Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit sexueller Belästigung zu erlernen. Diese Maßnahmen trugen nicht nur zu einem erhöhten subjektiven Sicherheitsgefühl bei, sondern stärkten auch die Handlungskompetenz des Personals.
Wiener Linien
Ab Dezember 2018 wurde die Kampagne auf die Wiener Linien ausgeweitet. Infoscreen-Spots in den öffentlichen Verkehrsmitteln wiesen die Fahrgäste auf verschiedene Sicherheitsmöglichkeiten hin, zum Beispiel auf Notrufsäulen oder die Anwesenheit von geschultem Personal vor Ort. Die Botschaft "Im Zweifelsfall ist es ein Notfall" verdeutlichte die Niederschwelligkeit der Unterstützung. Seit Januar 2019 werden Sicherheits- und Serviceangestellte der Wiener Linien ebenfalls regelmäßig im Umgang mit sexueller Belästigung geschult.
Mobiles Inselservice
Im Bereich der Wiener Gewässer erweiterte die Kampagne ihren Wirkungsbereich. Auf der Donauinsel sind Teams des "Mobilen Inselservice" auf Fahrrädern unterwegs, um in Konfliktsituationen eingreifen können. Geschult durch das Frauenservice Wien sind sie in der Lage, in Fällen von sexueller Belästigung angemessen und schnell zu reagieren.
Clubs und Nachtleben
Auch im Wiener Nachtleben wurde die Kampagne aktiv: Im April 2019 schloss sich der Nachtclub "Volksgarten" in der Innenstadt an und setzte die verbindlichen Maßnahmen der Kampagne, darunter Sensibilisierungsschulungen und den Verzicht auf sexistische Werbung, erfolgreich um. Im Dezember 2022 folgte der Nachtclub "U4" in Meidling, wo rund 40 Mitarbeitende in Workshops zum Thema sexuelle Belästigung geschult wurden.
Seit 2023 gibt es durch eine Umfrage zur Verbesserung der Sicherheit und des Wohlbefindens im Wiener Nachtleben unterstützende Zahlen: Die Ergebnisse aus knapp 2.200 abgegebenen Antworten zeigten, dass sich vor allem Frauen sowie trans, fluid, queer und nicht-binäre Personen doppelt bis 3-fach häufiger unsicher fühlen als Männer (cis).
Workshopreihe "Feiern? Safer."
2024 setzte die Kampagne "Ich bin dein Rettungsanker" ihre Arbeit mit einer Workshopreihe der Vienna Club Commission (VCC) fort, die unter dem Titel "Feiern? Safer." auf mehr Sicherheit und Prävention in Wiener Clubs und an Veranstaltungsorten abzielte.